Redaktionsgemeinschaft bei DuMont
MZ-Verlag: Kein Einheitsbrei, keine ...
08. Feb. 2010 – Kommt demnächst die Berichterstattung für Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau, Kölner Stadtanzeiger und Mitteldeutsche Zeitung aus einer Redaktion ? Eine gemeinschaftliche GmbH ist seitens der DuMont Mediengruppe schon gegründet."Welche Auswirkungen dies für die Journalisten der Mitteldeutschen Zeitung haben kann, werden wir beobachten und kommentieren", erklärte DJV Landesvorsitzender Uwe Gajowski.
Auffällig: am 29. Januar wurde der Betriebsrat informiert. Am gleichen Tage gab es eine ausführliche Information für die Mitarbeiter. Tenor: Die Kräfte werden gebündelt, man kann sich bei der neuen Gesellschaft bewerben, es soll keinen journalistischen "Einheitsbrei" geben und MZ sieht keine betriebsbedingten Kündigungen vor.
Am Ende des gleichen Tages stand für jedermann im Internet auf der Homepage der DuMont-Verlagsgruppe zu lesen,
- dass DuMont eine Redaktionsgemeinschaft als GmbH gegründet hat
- 25 Journalisten für sie schreiben sollen,
- Brigitte Fehrle Chefradakteurin wird,
- die Firma duMont Redaktionsgemeinschaft Standorte in Berlin und Frankfurt haben wird,
- eine Chefredakteurskonferenz der vier Titel sicherstelle, dass die neue Gesellschaft den an sie gestellten journalistischen Anforderungen gerecht werde
- deren Sprecher Dr. Uwe Vorkötter wird
- die Stellen ab dem 1.2.2010 ausgeschrieben werden und
- die Redaktionsgemeinschaft ihre Arbeit Anfang April 2010 aufnehme.
DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken appellierte an die Verlagsleitung, diese Pläne nicht umzusetzen: „Beachten Sie das Redaktionsstatut der Berliner Zeitung. Sie können nicht einfach Teile der Redaktion ausgliedern.“ Das hätte fatale Folgen für die Meinungsvielfalt in Deutschland. Zudem sei mit dem Verlust von redaktionellen Arbeitsplätzen und Aufträgen von Freien zu rechnen. „Dann kriegen wir nur noch grauenhaften journalistischen Einheitsbrei“, so Konken.
MDS-Strategievorstand Konstantin Neven DuMont sieht es anders: "Wir bündeln unsere Kompetenzen und sichern hohe journalistische Qualität in Zeiten der Wirtschafts- und Branchenkrise, um mit dieser Maßnahme nicht zuletzt den investigativen Anteil zu erhöhen. Wir betreten mit dieser Art der Kooperation Neuland", stellt Neven DuMont fest. Ziel der Redaktionsgemeinschaft sei es, die Marktposition der Abo-Titel dauerhaft zu stärken.
"Bemerkenswert ist die Informationspolitik des Hauses", kritisiert DJV-Landesgeschäftsführer v.Maydell. "Nach dem Gesetz ist der Betriebsrat bei solchen Maßnahmen rechtzeitig und umfassend zu unterrichten ( § 111 BetrVG). Die geplanten Schritte sind mit ihm zu beraten, und das heißt: Der Betriebsrat muss Argumente einbringen können und Gehör finden. Im Tendenzbetrieb gilt dies zwar nur eingeschränkt, nämlich im Hinblick auf die Vermeidung wesentlicher Nachteile für die Arbeitnehmer. Aber gerade die Prüfungskompetenz ist Sache des Betriebsrats und kann nur wahrgenommen werden, wenn man unterrichtet ist."
Rom wurde nicht an einem Tage erschaffen. Aber DuMont schafft es, am gleichen Tage seinen MZ-Betriebsrat, seine MZ-Redakteure und den Rest der Welt via Internet zu unterrichten. Wobei es morgens um zehn auch schon eine Quelle von aussen gab: http://kress.de/alle/detail/beitrag/102347-details-zu-dumonts-pool-redaktionen-fehrle-und-von-heusinger-sollen-fuehrung-uebernehmen.html




